tactility of ease
Material
weiße ungebleichte Wolle, Wollgaze, Baumwollgaze, Käseleinen, Tönnchenwirbel, Buchenholz, Peddigrohr, Schnüre
Maße
flexibel
Durchmesser Disks: zwischen 12 und 70cm
2026
Die Installation mit dem Titel „tactility of ease“ (Taktilität der Leichtigkeit) ist eine hängende Rauminstallation, bestehend aus einer Vielzahl an flach gefilzten, organisch-runden Disks unterschiedlicher Dimensionen. Die Anzahl der Disks ist modular und erweiterbar, sie bezieht sich immer auf den jeweiligen Raum, in dem die Installation hängt. Die Anordnung der einzelnen Elemente selbst kann auf unterschiedliche Weise erfolgen und folgt dem Grundgedanken der zarten Bewegung. Die zarte Bewegung entsteht durch die sanften
Schwingungen der einzelnen Disks, die jeweils abhängig von Luftzug und Atem sind. Durch die Art und Weise der Anbringung und dem Verbunden-Sein mehrerer Elemente, findet diese Bewegung immer gesamthaft statt. Die Leichtigkeit der einzelnen Disks (je nach Größe variiert das Gewicht zwischen 12 Gramm und 200 Gramm) ermöglicht eine sehr große räumliche Ausdehnung, wobei die Disks vertikal angeordnet werden. Es werden immer mehrere Disks auf Buchenholzstäben fixiert, wobei jeder Buchenholzstab wiederum an einem weiteren Buchenholzstab oberhalb fixiert ist, an dem wiederum mehrere Disks hängen. Auf diese Art und Weise dehnt sich die Installation in den Raum aus. Die Ausdehnung kann in die Höhe sowie in die Tiefe erfolgen. Alle Elemente stehen zueinander in Beziehung, bewegen sich in Symbiose und ergeben ein großes Ganzes. Diese Art und Weise der Konzeption ermöglicht ein unendliches Ausdehnen, ist jedoch stets vom räumlichen Setting abhängig. Diese Modularität steht in der Arbeit für das unendliche Ausdehnen unserer Spuren – von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft. Die einzelnen Disks haben zwischen 12 cm und 70 cm Durchmesser. Sie bestehen aus einem mit Raffia-Bast organisch-rundem gebundenen Peddigrohr-Ring. Dieser wird mit zwei Lagen roh weißer Schafwolle und einer Lage grob gewebtem Leinen, Baumwollgaze oder Wollgaze eingefilzt. Durch diese Technik ist kein Walken, wie es beim herkömmlichen Filzen erfolgen würde, möglich.
Die Materialien agieren untereinander und mit der filzenden Person und werden so zu Co-Autoren jeder einzelnen Disk: Das Peddigrohr versucht, zu begrenzen, die gefilzte Wolle fügt sich ein, umwickelt das Peddigrohr oder eben nicht. Die gewebten Stücke in der mittleren Lage scheinen durch, kommenzum Vorschein, fransen aus oder verstecken sich im Dickicht des Filzes. Auf diese Weise entstehen textile Organismen, welche ein Sinnbild für Bewegung und die Spuren aller Beteiligten, die sich in ihnen einschreiben, sind.
Auf den gefilzten Flächen erscheinen Einschlüsse und Spuren von Stroh, Gräsern oder anderen organischen Materialien von den Schafen, von denen die Wolle stammt. Durch den Filzprozess werden Teile der Vegetabilien, also organische Rückstände in der Wolle, herausgelöst und schreiben sich als subtile Farbspuren in diese Organismen ein. Die Geschichte der Wolle wird durch
ihre Einschlüsse erzählt: Von den Weiden, auf den die Schafe grasen, von den Schafhaltenden und ihrer Umgangsweise mit den Tieren, von der Reise der Wolle aus dem Ötztal in den jeweiligen Raum, in dem die Installation aufgebaut wird und in dem sich in der Folge wiederum diese Spuren in die Betrachtenden einschreiben.
Die Wolle als Symbol für Wärme provoziert zum Berühren, zum Abtasten der Oberflächen nach Details und spricht die Sinne an. Ihre ästhetische Wirkweise strahlt in den Raum aus. Sie erzählt von ihrem Ursprung, beforscht ihn und lädt die Betrachtenden zur Spurensuche ein.
Ziel der Installation ist es, durch Materialität, Form und Farbe sowie die Anordnung der einzelnen Elemente einen imaginären, nicht architektonisch-gedachten Raum für Leichtigkeit und zum geerdet-Sein zu erschaffen. Durch dieBewegungen und die Taktilität der Arbeit wird dieser eröffnet.